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Else von Országh

 

  • Eine wunderbare Frau, die dieses Denkmal verdient 

 

  • * November  1922

 

  • † 23.09.2000

 

 

 

 

Der zweite Weltkrieg - Beginn 1. September 1939 - und seine unvorstellbar schlimmen Folgen für jedes junge Leben aus dieser Zeit...

 

 

Für mich, als Nachfolgegeneration, sind allein die Erzählungen aus dieser dramatischen Zeit schon unfassbar schlimm. Wie sehr diese Erlebnisse die Menschen dieser Zeit betroffen haben müssen, lässt sich jedoch sicherlich nicht annähernd nachfühlen.

 

Traumatische Ereignisse, wie furchtbare und grausame Bombenangriffe, die Dich und alle Leidtragenden tags und nachts in die Bunker trieben -  ständig präsente Todesangst... einfach nur unvorstellbar und schrecklich!

 

Als Du mir von deinen Erlebnissen aus dieser Zeit erzähltest, war ich fassungslos und oft wie erstarrt - fragte mich, wie schafft man es, mit diesen Eindrücken ein "normales" Leben führen zu können.

 

 

Deine erste Liebesgeschichte, die so tragisch enden musste...

Willi Beyer - geboren am 09.09.1921 - gefallen am 30.09.1943

 

- - - sie steht für viele - viel zu viele Geschichten aus dieser schlimmen Zeit ...

 

Deine erste große Liebe - geprägt von Vertrauen - Verständnis  und Treue - Ihr wolltet heiraten!!! 

Dann brach der Krieg aus, und Willi, der die Parolen der Kriegshetzer sehr ernst nahm - "Deutsche Soldaten zieht in den Krieg - gebt Euer Leben für das Vaterland" meldete sich freiwillig an die Front. All Deine Beschwörungen, er möge diesem Wahnsinn doch bitte bitte nicht folgen und mit Dir nach Österreich fliehen, konnten ihn leider nicht vo seinem Vorhaben abhalten - er meldete sich an die Front. Zu sehr war er beeinflusst von der Kriegspropaganda. Er hat nicht lange überlebt - fiel in Russland am 30.09.1943. Du bliebst zurück in Deiner Trauer um den Menschen, mit dem Du Dein Leben teilen wolltest. Ich weiß, dass Du ihn nie ganz vergessen hast.

 

Und doch geht das Leben weiter - und auch wenn man denkt,`'ab jetzt herrscht nur noch Traurigkeit' schreibt das Schicksal weiter an der Lebensgeschichte... und es begegnen einem weitere, sehr wichtige Menschen - solche Erfahrungen, so traurig sie auch sind, bringen die Zuversicht, niemals aufgeben zu müssen und die Erkenntnis, es folgen immer wieder neue und schöne Erlebnisse...und meist, wenn man selbst am wenigsten damit rechnet.

 

 

FLUCHT NACH ÖSTERREICH ... Stefan von Országh

 

 

Nur raus - raus aus diesem Hexenkessel Deutschland. Die vielen Bombenangriffe, die Dich und die Menschen damals zig Male in die Bunker trieb - es war eine Zeit schreicklicher Angst. Euer Haus war bereits von Bomben zerstört worden und ihr musstet in ein "Behelfsheim" ziehen.

 

Du nahmst, wie immer Dein Schicksal selbst in die Hand.

Mutterseelenallein flüchtetest Du nach Österreich - Kitzbühel. Schnell bekamst Du eine Stelle im örtlichen Finanzamt. 

 

Eine weitere, tragische Liebesgeschichte sollte jedoch folgen...

 

Es war nur ein flüchtiger Blick im Vorübergehen, der Euch beide wie ein Blitz traf. Stefan, ein ungarischer Adeliger auf der Flucht aus Sopron. Er war ein auffallend gutaussehender Mann. Du sagtest mir mal, dass er aussah, wie ein amerkanischer Schauspieler... Wie er es anstellte, Dich kennenzulernen, weiß ich nicht mehr, aber irgendwie gelang es ihm, Dich nach diesem bedeutsamen ersten Blick wiederzufinden.

 

Was weiß ich von ihm - und seiner Familie:

 

- Sohn einer einst sehr reichen Gutherrenfamilie, der  mit seinen Eltern und ihrem Hab und Gut (soviel sie transportieren konnten) aus Ungarn flüchten musste, als der Kommunismus kam.  Ihr Ziel war Brasilien --> Österreich war nur eine Zwischenstation.

 

Da er von klein an jeweils für ein Jahr immer ein neues, ausländisches Kindermädchen bekam, beherrschte er insgesamt 7 Sprachen - 5 davon in Wort und Schrift.  Studiert hatte er Rechtswissenschaften und war bereits promovierter Anwalt.

 

Stefan hatte zwei  Halbgeschwister aus der erstern Ehe seines Vaters: László und Medgyesy (genannt Gigi). Sie aber blieben in Ungarn - zu vehement war die Ablehnungshaltung von Stefans Mutter gegenüber ihnen.  Sie hatte NUR sich und ihren eigenen Sohn, Stefan im Sinn.   

 

Lásló war später ein herausragender Gelehrter und bekannter Professor:

Zitate aus verschiedenen Quellen:

"... László Országh (1907-1984), der "grand old man" der British and American Studies in Ungarn. Gedenkveranstaltungen zu seinen Ehren fanden in Szombathehy, seiner Geburtsstadt und in Debrecen, wo er als Professor gelehrt, und in Budapest, wo er lebte, statt. ..."


 

http://english.pte.hu/hirek/359 = Nachrichten aus der University of Pecs:

 

Noch heute wird nach den Methoden von Professor Lásló von Orszagh gelehrt – der Studienzweig ist ihm zu Ehren nach ihm benannt: "Hungary also offers the Laszlo Orszagh Chair in American Studies."

 

Deine Schwägerin, Gigi, war ebenfalls Doktorin in Ungarn. Da sie sehr gut deutsch sprach (und schrieb) hattet ihr beide bis zum Schluss einen regen und wunderbaren Briefwechsel.

 

Sein Vater Ladislaus von Országh hatte sich damals Hals über Kopf in diese, deutlich jüngere Frau - Stefania Zimmermann -(eine "Bürgerliche") verliebt. Er war so vernarrt in diese Frau, dass er sich von seiner ersten Frau scheiden ließ.

 

Mit allen Mitteln hat Stefania ihn an sich gebunden.  Ein Teufelsweib, dem jedes Mittel Recht war, die eigenen Ziele zu erreichen, wie sich mehr und mehr herausstellte. Doch sein viel älterer Vater war ihr, als er das endlich begriff, nicht mehr gewachsen und ergab sich seinem traurigen Schicksal.

 

 

Du und Stefan - es war eine "Jahrhundertliebe", wie sie wahrscheinlich nur wenige Menschen erleben dürfen. Allen Kriegswirren trotzend, habt ihr am 03.Juli 1945 in Kitzbühel geheiratet - Alles schien so gut - - - wäre da nicht Stefania gewesen...Sie lies Dich bei jeder Gelegenheit, wenn ihr allein ward, deutlich spüren, dass sie mit Eurer Heirat nicht einverstanden war.  Irgendwann nahm sie Dich mal zur Seite und sagte: "Weißt Du, Else, ich habe nichts gegen Dich als Person - Du bist eine gute Frau - ich habe etwas gegen JEDE Schwiegertochter." Sie brauchte ihren Sohn für SICH, ER war ihre Altersversorgung. Du wusstest, Stefan hing sehr an seiner Mutter und hatte einen großen Einfluss auf ihn.

 

Zweifel kamen in Dir auf: 

Wie würde Deine Zukunft in Brasilien aussehen? In einem fremden Land - weit weg ohne Halt der eigenen Familie - ständig den Intrigen und Bosheiten dieser Frau ausgesetzt zu sein - denn eines war Dir klar: Du hättest mir ihr immer unter einem Dach leben müssen...  und Dein Verstand siegte über diese große Liebe.  Sie hatte ihr Ziel erreicht: So schwer es Dir auch viel - Du gingst zurück nach Deutschland  - allein - ohne ihn - Stefan ging mit seinen Eltern  nach Brasilien.

 

Wieder zuhause stellte sich für Dich die Frage: War diese Ehe auch in Deutschland gültig??? Bei den Behörden  hieß es erst:  NEIN. Doch Dein damaliger Chef, Herr Taglang, sagte, "Sie sollten sich da noch mal genauer erkundigen, ich meine, ich hätte da was gelesen, dass auch diese Ehen gültig sind." Und so war es dann auch. Was folgte, war ein langwieriges Verfahren über zwei Kontinente, mit jeder Menge Amtsschimmel. Eine unerfüllte Liebe, die dann zu allem Leid auch noch mit reiner Sachlichkeit "abgearbeitet" werden musste.

 

Von Deiner lieben Schwägerin, Gigi, hast Du hin und wieder erfahren, wie es Stefan ergangen ist:

 

Er lebte in Sao Paulo - wurde ein erfolgreicher Immobilien Makler - hatte noch zweimal geheiratet. Aber auch diese  Ehen scheitereten an den Machenschaften seiner egozentrischen Mutter. Er wurde Vater von vier Kindern - zwei aus jeder Ehe.

 

Aber der liebe Gott lässt wohl nichts ungesühnt:

Es hat viele Jahre gedauert, bis Stefan erkannte, welch teuflischer Charakter in seiner Mutter herrschte... doch als es endlich soweit war, brach er jeglichen Kontakt zu ihr ab - verbannte sie aus seinem Leben - versagte ihr sämtliche finanziellen Zuwendungen. Das Schicksal wollte es, dass sie sehr sehr alt werden sollte - über 90 Jahre... und es folgten für sie viele viele Jahre, die sie in Armut als Consierge (Hausmeisterin) in einem Dachzimmer  dahin vegetieren musste. Irgendwann wurde sie von fremden Leuten tot in ihrem Bett aufgefunden...   Alles rächt sich auf Erden.

 

Ich weiß noch sehr genau, wie gebannt ich Deinen Worten gelauscht habe, als Du mir diese tragische Liebesgeschichte erzählt hast. "Aber Mama, man lässt doch eine so große Liebe nicht einfach gehen... man muss doch dafür kämpfen... ich hätte deine Schwiegermutter schon vertrieben! Und es doch niemals zu spät, da anzuknüpfen, wo ihr damals aufgehört habt. Du musst nach Brasilien fliegen, um ihn wiederzusehen!"

So musste in meinen Augen eine Liebesgeschichte enden... mit einem Happy End und nicht in unerfüllter Sehnsucht, die, wie ich weiß, Dich Dein ganzes Leben lang begleitet hat. Ich konnte das damals nicht verstehen, als Du mir sagtest: "Nein, Beate, es ist so, wie es ist. Man kann diese beiden, festgelegten Leben nicht mehr miteinander verbinden." In meinem Mädchentraum mit großen Idealen und Träumen kam so ein Denken nicht vor. Ich konnte es nicht nachvollziehen, dass man sich seinem Schicksal so beugt. Erst viele Jahre später musste auch ich hin und wieder leidvoll erkennen, dass der Verstand bei derartigen Entscheidungen auch eine große Rolle spielt - spielen muss. Ihr solltet Euch tatsächlich nie wieder sehen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stefan starb 1997 in Brasilien Sao Paulo 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Foto von Willi Beyer hat jemand leider aus dem Album heraus genommen...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stefan von Országh mit 15 Jahren

 

geboren am 29.07.1925 in Sopron / Ungarn † 1997 in Sao Paulo/Brasilien

 

EIN ZEITSPRUNG

 

Zu Deinem 70. Geburtstag - 1992 - hatte ich mir für Dich eine bzw. mehrere Überraschungen ausgedacht:

 

Wir ließen Dich im Glauben, Dich nur zu einem schönen Essen in den "Kämpchens Hof" einzuladen.

 

Die erste Überraschung war: dort warteten bereits zwei Deiner Schulfreundinnen auf Dich: Nanni und Helga. Das Lustige war Dein erster Gedanke, den Du mir später verraten hast: 'da schau mal einer an, da treffen die sich allein - ohne mich...' Dass sie Dir zu Ehren dieses heimliche Unterfangen mitgemacht haben, ist Dir erst nicht in den Sinn gekommen.

 

 

Deine Schulfreundin Helga Hübbers, geb. Heuser

 

 

 

 

Und dann saß da noch jemand: Deine Cousine Ruth, die Du schon 20 Jahre nicht mehr gesehen hattest. Freundlich, wie Du warst, hast Du sie begrüßt: "Guten Abend... aber Entschuldigung, wer sind Sie denn?"

 

 

 

Das war die erste große Freude an diesem Abend. Aber es sollte noch besser werden.

 

Es war nichts Ungewöhnliches, dass mein damaliger Mann häufig aus beruflichen Gründen zu spät kam. Dass er dieses Mal jedoch unterwegs war, um heimlich Deine Schwägerin Gigi vom Flughafen abzuholen, hast Du nicht im Entferntesten geahnt...

 

Alles war gut durchgeplant - Ich hatte sie in Ungarn angerufen und gefragt, ob sie Dein Überraschungsgast sein möchte - Sie hat, ohne zu zögern ja gesagt. Trotz ihres damals hohen Alters von bereits 84 Jahren und das, obwohl sie vorher noch nie in ihrem Leben geflogen ist. Ich hatte bei der Lufthansa dafür gesorgt, dass sie vom Personal fürsorglich vor und während des Fluges betreut wurde. Ja - und plötzlich ging die Tür auf - und Gigi betrat den Festsaal...

 

...ein Augenblick, den ich nie vergessen werde ... als sie den Raum betrat und Du Deinen Augen nicht trauen wolltest... Wie hypnotisiert bist Du aufgestanden - erst ungläubig verharrend, und doch magnetisch angezogen auf sie zugegangen und sie in Deine Arme zu schließen.

 

Ich war übeglücklich und von Deiner Freude so gerührt, dass ich meine Tränen nicht halten konnte...

 

Ihr hattet Euch zwar immer regelmäßig liebe Briefe geschrieben, aber schon soooo lange nicht mehr gesehen... über 14 Jahre war es her, als Du sie in Sopron / Ungarn besucht hattest:

 

"Sie Sommervilla von Országh" - 1978 in Szombathehy - Uröaub in Ungan

 

Gigi blieb eine ganze Woche bei Dir und so hattet Ihr Zeit vieles zu erzählen - ihr ein bisschen von Deutschland zu zeigen. Eine wertvolle gemeinsame Zeit zu verbringen.

 

Gigis Geschenk an Dich - DAS FAMILIENWAPPEN -

 

 

Klar, dass ich natürlich vorhatte, auch Stefan zu dieser Überraschungsfeier zu holen.

 

So erhielt ich nach zig Anrufen bei der Auskunft endlich eine Telefonummer von einem Herrn von Országh aus Sao Paulo. Eine sehr laute Frauenstimme meldete sich am anderen Ende. Und so fragte ich sie auf englisch, ob ich bitte Stefan von Országh sprechen könnte. Sie darauf wiederholte immer wieder: "ISTVAN???" Ich darauf immer erneut: "No, Stefan von Orszagh!!!" Gefrustet legte ich auf, da sie mich ja anscheinend nicht verstand...

 

Dann fiel mir siedenheiß ein: Was ist, wenn Du ihn vielleicht gar nicht sehen möchtest... Dein Wille stand bei mir immer an erster Stelle. Also galt es, das herauszufinden. Meine geschickten Fragen hast Du jedoch alle in der Richtung beantwortet, dass Du ihn lieber so, wie er früher war, in Deiner Erinnerung behalten möchtest. Nicht willst, dass ihr Euch als "alte Leute" wiederseht.

 

Also hab ich es natürlich gelassen...und dachte noch, gut, dass ich da keinen Stefan finden konnte.... Nach Deiner Geburtstagsfeier erzählte ich Dir natürlich ausführlich davon...

 

Du sagtest: "Beate, Istvan ist der ungarische Name für Stefan"... Es war also doch der Richtige...

 

Nach Deinem Tod habe ich erst aus Deinen Aufzeichnungen erfahren, dass Du an Deinem Entschluss Zweifel hattest, ihn damals nicht mehr sehen zu wollen... geschrieben 1997, als Du erfahren hast, dass er verstorben ist...und dann dachte ich: schade, dass ich damals nicht wusste, dass István Stefan heißt...

 

Dein Blick zu mir sprach mehr als 1000 Worte ...

(von links: Helga Hübbers, Dr. Gigi von Országh, Dein Enkelkind Loriana .. und DU)

 

 

Deine Gäste zu Deinem 70. Geburtstag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.. und so schickte Gigi Dir daraufhin wenigstens noch ein Foto von ihm...:

 

Stefan von Országh - in die Jahre gekommen