Else von Országh 2012- DU und ICH - Eine Mutter Tochter Beziehung

 

 

Else von Országh

 

  • Eine wunderbare Frau, die dieses Denkmal verdient 

 

  • * November  1922

 

  • † 23.09.2000

 

 

 

 

DU UND ICH ...

 

Eine unnachahmliche Mutter - Tochter Beziehung

 

 

Geboren hast Du mich in Bonn Venusberg - ich kam mit Lachgas auf diese Welt, was mein damals sonniges Gemüt, wie ich heute denke, sehr positiv beeinflusst hat  ... Eine Tochter sollte es werden, so wolltest Du es, und so kam ich, als Dein Wunschkind am 19.Februar zur Welt.

 

Und ab diesem Zeitpunkt hing ich nur noch an deinem Rockzipfel... überall, wo Du warst, wollte auch ich sein. Schnell war mir klar, dass ich an Deiner Seite  nicht den ungehorsamen oder überdrehten Kasper geben konnte. Dein Trick war: " Beate, wenn ich dich mitnehmen soll, dann musst Du Dich auch gut benehmen, sonst geht das nicht." Ich weiß noch, wie stolz ich war, als mal zwei ältere Damen im Restaurant "Dümptener Hof" ihre Bewunderung über meine gute Erziehung äußerten.

 

Hatte sooooooooooooooo viele Fragen zu dieser Welt und keine Antwort bist Du mir schuldig geblieben. Egal, zu welchem Thema ich Dich löcherte, DU wusstest alles und konntest es mir erklären.

 

Du hast mich, dieses quirlige Bündel "gebändigt", indem Du mir vertrauensvoll altersgerechte, sich stetig steigernde, sinnreiche Aufgaben gegeben hast. Und ich war dann überglücklich, wenn Du mir dann sagtest: "Das hast Du sehr gut gemacht, mein Schatz."

 

Neben Deiner vielen Arbeit hast Du es trotzdem geschafft, mir soviel Zeit zu widmen.  Im Jahr 1964 hast Du Dein Unternehmen gegründet. Es musste etwas sein, dass Du von Zuhause aus schaffen konntest. Mein Vater gehörte zu den Menschen, die gern etwas Innovatives erfunden haben. Nur wäre er selbst außer Stande gewesen, seine Erfindungen auch konsequent und erfolgreich zu vermarkten. (Nur mal nebenbei erwähnt: Er hat damals die Babynahrung "HUMANA" in Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt, Dr. Lemke, entwickelt... verkauft hat er diese geniale Nahrung für 3.000,- DM an den heute gleichnamigen Konzern!)

 

Aufgrund dessen es damals in Krankenhäusern häufig bei Geburten zu Verwechslungen kam, und diese Eltern erst Jahre später merkten, dass das nicht ihr eigenes Kind sein konnte, (wie schlimm muss das sein) hat mein Vater kurzerhand ein Babynamensbändchen aus spezieller Folie entwickelt, was sich nach dem ersten Verschließen nicht mehr öffnen ließ. Vorher bekamen die Babies entweder ein beschriftetes Pflaster oder einen dickeren Bindfaden mit Buchstabenperlen ums Handgelenk. Du, meine Mama, hast meinem Vater das Patent abgekauft (ja - er ließ sich das von Dir bezahlen) und hast dieses Versandgeschäft zum Erfolg geführt. Die meisten Krankenhäuser in Deutschland gehörten zu Deinen treuen Kunden. Es hat mir ungeheuren Spaß gemacht (weil ich war dann ja eine wichtige "Mitarbeiterin"), wenn ich z.B. bei Werbeaktionen die Matrizenmaschine bedienen dufte. Ja - es gab noch keinen Kopierer oder sowas. Oder Dir beim Päckchen packen zur Hand gehen konnte. Spielerisch hab ich alles Kaufmännische sozusagen mit der Muttermilch aufgenommen.

 

In der übrigen Zeit war ich ein Kind, dass auch unheimlich gern draußen spielte. Nicht jedoch durchgehend - immer wieder klingelte ich, um Dir meine neusten Erlebnisse zu erzählen. Wenn ich dann "abgespielt" nach Hause kam, war es das Größte für mich, wenn ich mich an Dich kuscheln konnte. Am liebsten hatte ich es, wenn Du mir meine Arme kraultest - ich drehte meine Ärmchen in die unmöglichesten Stellungen, damit Du auch ja jede Stelle erreichen konntest.

 

Und "So ganz nebenbei" hast Du mir die großen Werte auf meinen Weg mitgegeben. Du schäftest meinen Gerechtigkeitsinn - ließt mich erkennen, wie wichtig Vertrauen ist - ich konnte Dir nie die Unwahrheit sagen, weil ich schon damals die weitreichenden Folgen erkannte... lehrtest mich, dass es Konsequenzen hat, wenn man etwas tat, was nicht in Ordnung war - aber eins der Wichtigsten Dinge war, dass Du mich in meinen Grundfesten so gelassen hast, wie ich war, sodass ich mir selbst treu bleiben durfte...

 

Du hast erkannt, dass ich, als der noch kleine Rebell mit seinen starken Ellenbogen besser durch diese Welt kommen wird, als Du, die von ihren Eltern in der damaligen Zeit zur Widerspruchslosigkeit Erwachsenen gegenüber erzogen wurde. Ich durfte es in Frage stellen, wenn z. B. Lehrer oder dusselige Nachbarinnen Blödsinniges von sich gaben.

 

Eine lustige Geschichte hierzu: Man stelle sich folgende Situation vor: Du und ich fuhren in der Straßenbahn. Direkt uns gegenüber saß eine Frau, als ich plötzlich folgenden treffenden Satz von mir gab: "Mama, die Frau stinkt aber!" Was Dir natürlich umgehend die Schamesröte ins Gesicht trieb und Dir sicherlich mega peinlich war. Um die Situation zu retten, sagtest Du: " Schatz das riecht hier in der ganzen Bahn so." Ich: "Nein, das kommt von ihr - die stinkt so, merkst Du das denn nicht!?" Als wir zuhause waren, erklärtest Du mir: "Mein Schatz, Du hattest zwar Recht, aber - man MUSS nicht zwingend immer alles sagen, was man denkt." Dieser Leitsatz hat mich in meinem Leben sehr oft vor voreiligen Äußerungen bewahrt und ich höre noch heute Deine Stimme. Du hast mir WICHTIGE SACHEN immer mit einer besonderen Eindringlichkeit vermittelt, sodass ich erkennen konnte, dass das was ist, was ich behalten muss. Und so war es ein Leichtes für mich, später meine Stimme genauso gut zu meinem stärksten Werkzeug zu machen, um Dingen einen bedeutsamen Gehalt zu geben.

 

Die Geschichte mit der Maus ...

Ich wurde mit einer überaus ausgeprägten Tierliebe bereits geboren und so war es kein Wunder, dass ich alles was kräuchte und fleuchte nach Hause schleppte, um es zu pflegen zu hüten und beschützen. (ich verkloppte andere Kinder, wenn ich sah, dass sie einem Käfer Beine ausrissen oder Ameisen zertraten und beschimpfte Leute, die ihren Hund schlugen) Gerade eingeschult hatte ich wieder einmal eine kleine Feldmaus gefangen und sie liebevoll in einen Käfig getan. Klar, dass ich die meiner von mir - bis dahin - sehr geliebten Lehrerin, Fräulein Förster, präsentieren wollte und so nahm ich sie einfach mit zur Schule. So war der erste Konflikt vorprogrammiert: Fräulein Förster verlangte von mir, ich solle mit ihr rausgehene und der Maus ihre Freiheit schenken... das wäre besser für die Kleine... Da war ich mit meinen 6 Lenzen aber noch ganz anderer Ansicht! "Die gehört mir - die hab ich selbst gefangen und es geht ihr nirgendwo besser, als bei mir! Außerdem findet die von hier aus ja gar nicht mehr ihr zuhause - das ist ja viel zu weit weg!!! Das mach' ich nicht!" Es folgte eine riesige Diskussion ...Lange Rede kurzer Sinn: ich wurde so lange von der Lehrerin"genötigt, bis ich tödlich beleidigt MEINE MAUS auf dem Schulhof aussetzen musste... Nicht mit mir - das bleibt nicht ungestraft! Wütend verkündete ich Dir - meiner Mama - dass ich da nicht mehr hingehen werde. Was hab ich da zu suchen, wo man mich zwingt, Dinge zu tun, die meines Erachtens nicht richtig sind. Es hat Dich sehr viele Erklärungen und einiges an Überzeugungskraft gekostet, mir beizubringen, dass SCHULE ein unerlässliches Muss ist, woran ich nicht vorbeikomme. Aber hast mir niemals, wenn was wirklich unrecht war, Dein Veto gegeben, meinen Mund aufmachen zu dürfen. Meine Rebellion gegen diese "Institution" und ihre "Mitwirkenden" hat sich jedoch bewahrt und habe ich den "Kampf" gegen die (damals noch viel schlimmeren) Ungerechtigkeiten bis zum Schluss nicht aufgegeben. Kein Wunder, dass ich die Lehrerschaft meiner Töchter auch bei jeglicher Abweichung "auf den richtigen Weg gebracht habe." Ich war dort gut bekannt und von den "faulen Eiern" (die es ja leider immer wieder mal gibt) gefürchtet für meine sachlich und fachliche Durchsetzungskraft. Da hat es die eine oder andere Fachaufsichtsbeschwerde gehagelt, die dann ihre weitreichende Wirkung hatte.  

 

Deine Art, mich zu erziehen, war sehr gerecht - Du hast mir Grenzen aufgezeigt, jedoch niemals ohne ensprechende Erklärung. Wenn es Dir mal mit mir zu bunt wurde - ich zu sehr gegensteuerte - dann war auch schon mal Hausarrest angesagt... das war natürlich heftig für ein Kind mit angeborenem mächtigen Freiheits- und Bewegungsdrang, das am glücklichsten war, wenn es draußen spielen konnte. Aber ohne diese Schranken wärst Du mir nicht Herr geworden. Wichtig war, dass ich es einsehen konnte, dass jetzt sowas fällig war. So entwickelt sich das eigene Unrechtsbewusstsein. Das Wirksamste war jedoch, wenn Du nicht mehr mit mir gesprochen hast. (Du hast es selbst meist nur so 10 Minuten ausgehalten) aber für mich waren es gefühlte 10 Stunden :-) Umso schöner war es für mich, wenn wir danach wieder ein Herz und eine Seele waren.

 

Du weißt, wie sehr ich Dich schon als Kind verehrt, geachtet und geliebt habe. Bereits seitdem ich ganz klein war, warst DU der einzige Mensch für mich auf dieser Welt, von dem ich mir hab etwas sagen lassen - das ist bis heute so geblieben! Mein Standardsatz war dann jeweils zu den anderen: "Sie haben mir gar nix zu sagen, Sie sind nicht meine Mutter!" Na gut, als ich erwachsen war, hab ich das nicht mehr ausgesprochen

 

Du warst und bist noch heute mein größtes Vorbild. Du hast mir für meine Kinder das beste Rüstzeug in die Hand gegeben, sie auf ihrem Weg zu großartigen Menschen zu begleiten.

 

Dein erstes Enkelkind - Du warst überglücklich, dass ich mich doch noch entschließen konnte... :-)

 

 

Für Dich war es immens wichtig, dass unsere Familie und unsere Gene dieser Welt erhalten bleiben ...

 

 

... Dein 70. Geburtstag ... Deine Überraschungsparty war mir echt gelungen ...

DU: ..."wie hast Du das nur angestellt, dass ich davon nichts gemerkt habe - dass Du das für Dich behalten konntest, ist ja allerhand..."

 

 

... wohlig in deinem Arm - gerade mal 4 Monate auf dieser Welt ...

 

 

   

Du hast mich gehalten ...

 

 

 

... Ich --> nicht leicht zu bändigen und meist gut gelaunt

 

... und NEIN - ich schiele nicht !!! :-)

 

 

...hast mir diese Welt erklärt und bist mir nie eine Antwort schuldig geblieben ...